Hakan Evcin & Peter Riss: So lovely

So lovely
Eröffnung:
Freitag, den 19. Februar 2010
von 19h - 22 Uhr
mit Einführung von Anna Wondrak, Kunsthistorikerin
Ausstellung vom
20. Februar bis 27. März 2010,
Öffnungszeiten:
Samstags von 12.00 - 16.00 Uhr
sowie
nach Vereinbarung
Finissage mit Anna Wondrak
Samstag, 27. März 2010
um 16 Uhr
Die Schönheit des ersten Blickes kann trügerisch sein. Gefangen in unserem gewohnten Blickwinkel sehen wir nie ein "Ding an sich", sondern unser Wissen und unsere Erinnerungen formen den Eindruck. Die Arbeiten von Hakan Evcin und Peter Riss muten auf den ersten Blick schön an, gar ästhetisch. Doch das mit einem unbehaglichen Gefühl verbundene Kippen der Empfindung, das erst mit dem Blick hinter die Oberfläche einsetzt, vermitteln Hakan Evcin und Peter Riss auf ganz unterschiedliche Art und Weise.
Peter Riss studierte bildende Kunst bei Prof. Gerhard Merz in Düsseldorf (1997-2001). Dort bekam er den ersten Zugang zu abstrakten Thematiken, einer analytischen und kunstphilosophischen Denkweise und es kam zu einer Auseinandersetzung mit dem Sublimen im philosophischen Sinne. Seit 1997 entstanden erste Hochglanzarbeiten. Die thematischen Installationen und Objekte der darauffolgenden Jahre konzentrierten sich auf die Auseinandersetzung mit dem Begriff des Ichs: innere Zerrissenheit, tiefgreifende und verdrängte Gefühle und das Besiegen psychischer und auch abstrakter Ängste werden thematisiert.
Leitthema der neuesten Arbeiten ist eine der Person innewohnende Dualität. Anders als das Alter Ego, das als "zweites Ich" eine im Widerspruch stehende Seite einer gespaltenen Persönlichkeit verkörpert, oft in einer fiktiven Rolle und mit einem veränderten Aussehen der ursprünglichen Person, arbeitet Peter Riss mit einem düsteren, verborgenen und bedrückendem "Doppel-Ich", das zeitgleich zum öffentlich präsentierten, oftmals gefälligen Ich und untrennbar von diesem existiert. Vordergründig ist es - anders als das Alter Ego - als Projektionsfläche für real erfahrene, verdrängte, verneinte oder in der Zeit verlorene Ängste und Wünsche nicht unmittelbar erkennbar. Das negative dunkle "Doppel-Ich" bietet ein stetiges Konfliktpotential im "Ich", kann es doch durch gesellschaftliche, familiäre oder psychische Konditionen angst- oder tabubesetzt sein.
Die Beschäftigung Hakan Evcins mit dem Thema Haare ist Teil eines langen Entwicklungsprozesses. Nach der Ausbildung zum Steinbildhauer experimentierte er auf der Suche nach mehr bildnerischer Freiheit mit Naturmaterialien wie Wolle, Laub oder Erde und näherte sich dadurch auch dem menschlichen Körper. Bevor die ersten Haarbilder aus Menschenhaaren entstanden, setzte er sich genau mit der vielfältigen Kulturgeschichte von Haaren auseinander. Haare interessieren ihn nicht als reines Material, sondern vielmehr in ihrer Bedeutung für den Betrachter: denn Hakan Evcin arbeitet mit Gedankenbildern und Assoziationen. Beim ersten unwissenden Blick als schön empfunden, setzt mit dem Wissen um das genaue Material beim Betrachter in der Regel eine geschichtliche und/oder individuell-biografische Reflexion ein. Die Assoziation vieler deutschstämmiger Betrachter mit der NS-Zeit ruft einen unlösbaren Konflikt hervor, der auf dem zuvor unbedarft aufgenommenen Sinneseindruck in Kombination mit den negativ besetzten Bedeutungen dieser Bilder beruht. Ebenso sind jedoch auch ganz andere Bedeutungsebenen und Identifikationsmöglichkeiten möglich, die von den individuellen biografischen und psychischen Strukturen des einzelnen Betrachters abhängig sind.
Der eigene interkulturelle Hintergrund ermöglicht es Hakan Evcin, sich der Gesamtheit aller Bedeutungsebenen umfassend und mit einem weniger moralischem Impetus zu nähern. Vielleicht ist er gerade durch diese Stellung in der Lage, den Betrachterblick für andere Assoziationsebenen zu öffnen und verarbeitete Haare zu dem zu machen, was sie auch sein können: so lovely.
Anna Wondrak M.A.
Für weitere Informationen zur Ausstellung oder zu den Künstlern wenden Sie sich bitte an Esther Donatz unter Mob.: 01577-1733 324 oder mail@e324.de.








