Agraphobia - Shari Pierce

Eröffnung
Freitag, 11. März 2011
19:00 - 22:00 Uhr
Einführung von Charlotte Lindenberg, M.A., Frankfurt
Ausstellungsdauer
12. - 26. März 2011
Öffnungszeiten
Freitag, 15:00 - 19:00 Uhr
Samstag, 12:00 - 16:00 Uhr
sowie nach Vereinbarung
Parallel zur SCHMUCK 2011 zusätzliche Öffnungszeiten:
16. - 22. März 2011
täglich geöffnet von 12:00 - 18:00 Uhr!
Presse



Agraphobia
Objekte und "Körper-Teile" von Shari Pierce
Aus der angewandten Kunst kommend, beschäftigt sich Shari Pierce (*1973 in New York, USA) mit sozialen Fragen und Phänomenen unserer Zeit.
Definition: Unter Agraphobie versteht man die Angst vor sexuellem Missbrauch. Begriff aus Agra (Wortstamm nicht geklärt, unterschiedlich bewertet) und Phobie von altgriech. phobos "Furcht/Angst".
Bei ihrer letztjährigen Ausstellung "Whitewash" in der Galerie für neuen Schmuck von Rob Koudijs in Amsterdam zeigte Pierce auf Stoff gedruckte und in Objekte verarbeitete Portraits von 36 verurteilten Sexualstraftätern innerhalb eines 5-Meilen Radius.
Für ihr Projekt "Agraphobia" folgt die amerikanische, in München lebende Künstlerin den Spuren verurteilter US amerikanischen Sexualstraftäter an ihren, zum Schutz der Privatsphäre, verdeckten Aufenthaltsort ("undisclosed locations").
"Verdeckt" ist in diesem Zusammenhang relativ, denn obwohl der genaue Aufenthaltsort der Verurteilten von den Behörden offiziell nicht bekannt gegeben wird, können alle Daten inklusive des derzeitigen Wohnortes online ausfindig gemacht werden, z.B. durch Seiten wie Family Watchdog o.ä. Die Entwicklung der Suchdatenbanken für verurteilte Sexualstraftäter begann in den USA bereits 1991 und ist mit der allumfassenden Nutzung des Internet in dort bereits zur Norm geworden.
Seit November 2010 befand sich Shari Pierce wieder in den USA, um ihr 2009 begonnenes Projekt weiter zu entwickeln. In der Ausstellung bei E324 | Raum für Kunst in München mit dem Titel "Agraphobia" wird Shari Pierce neue "Körper-Teile" ausstellen, die das Thema erneut aufgreifen und ca. 300 Portraits von verurteilten Straftätern aus verschiedenen Regionen der USA zeigen.
Alle stammen aus Orten, die Shari Pierce während ihres Aufenthaltes in den US bereiste, von allen konnten ihr sogenannter "verdeckter Aufenthaltsort" ohne Aufwand ausfindig gemacht werden.
Mit ihrer, im ästhetischen Sinne sehr ansprechenden Arbeit - schwebend scheinende Fotos auf Folie, leichte Stoffe - wirft Shari Pierce dennoch Fragen auf, die zur Zeit auch in Deutschland und Europa äußerst kontrovers diskutiert werden. Hierzu gehören die Themen Täterschutz versus Opferschutz (Stichwort Sicherheitsverwahrung) und öffentliche Datenverwendung und Täterjagd über die Medien (Stefanie zu Guttenberg), um nur einige zu nennen.
Auf der anderen Seite stellt sich die Frage, was die öffentliche Präsenz von Gewalttätern mit uns macht - erhöht sie ein tatsächlich das Sicherheitsgefühl oder verstärkt sie Ängste? Möchten wir wirklich wissen, wer in der Nachbarschaft ein verurteilter Sexualstraftäter ist?
Shari Pierce schloss ihr Studium bei Otto Künzli an der Münchner Akademie der Bildenden Künste 2009 mit dem Meisterschüler-Diplom ab. Nach einem Aufenthalt als Lehrbeauftragte an der Stockholmer Konstfack University College of Arts Crafts and Design von 2009 bis 2110 hatte sie im vergangenen Wintersemester eine Gastprofessur an der School of Art and Design in Providence, Rhode Island, inne.
Shari Pierce hat an zahlreichen Ausstellungen in Europa und den USA teilgenommen und internationale Preise erhalten. Ihre Arbeiten sind in europäischen und US-amerikanischen Sammlungen vertreten.
Die Ausstellung "Agraphobia" findet in Begleitung zur Schmuck 2011 statt, bei welcher Shari Pierce ebenfalls vertreten sein wird.
Für weitere Informationen zur Ausstellung oder zu der Künstlerin wenden Sie sich bitte an Esther Donatz unter Mob.: 01577-1733 324 oder mail@e324.de.


